Teamkompetenz: Entscheide fällen, die Matrix

Florian Achermann, 7. Februar 2024 

Jeder von uns steht mit seiner Rolle, seinem Team oder sogar dem gesamten Bereich täglich vor der Herausforderung, die richtigen Entscheidungsstrategien zu wählen. Aber seien wir ehrlich, es gibt keine Einheitslösung. Lasst uns gemeinsam einen Blick auf die verschiedenen Methoden werfen und herausfinden, wann welche gut passt.

Dazu haben wir bei eevo eine Matrix zur Unterstützung entwickelt. Wir unterscheiden für die Antworten zwischen zwei Dimensionen:

  1. Die Ursache-Wirkungs-Beziehung, Kausalität
  2. Die Entscheidresilienz

Erste Dimension: Die Ursache-Wirkungs-Beziehung, Kausalität

Diese Dimension bezieht sich auf die Frage, wie gut sich Ursache und Wirkung vorhersagen lässt. Wir unterscheiden zwischen simpel, kompliziert und komplex. Bei simplen Ursache-Wirkungs-Beziehungen lässt sich diese sofort auf einen Blick erfassen, wie zum Beispiel die Energieübertragung von den Pedalen zum Rad bei einem Fahrrad. Komplizierte Kausalitäten kann ich analysieren und ohne Überraschung umsetzen oder  reproduzieren. Kompliziert kann das Auseinandernehmen und Zusammensetzen einer mechanischen Uhr sein. Komplexe Ursache-Wirkungs-Beziehungen lassen sich erst im Nachhinein erklären und können uns immer wieder mit Unerwartetem überraschen. Sobald der Faktor Mensch ins Spiel kommt, können wir grundsätzlich von einer komplexen Kausalität ausgehen. Mehr zu dem Thema findet sich im Artikel Führungsarbeit – Kompliziert vs. Komplex

Zweite Dimension: Entscheidresilienz

Diese bezieht sich auf die Fähigkeit einer Entscheidung, effektiv zu bleiben und positive Ergebnisse zu liefern, auch wenn sich die Umstände ändern oder schwierige Herausforderungen auftreten. Es geht darum, dass die getroffene Entscheidung stark genug ist, um Störungen, unerwartete Ereignisse oder Druck standzuhalten und trotzdem die gewünschten Ziele zu erreichen.

Entscheidungen mit hoher Resilienz sind so gestaltet, dass sie nicht nur im Moment funktionieren, sondern auch flexibel genug sind, um sich an zukünftige Veränderungen anzupassen. Sie berücksichtigen verschiedene mögliche Zukunftsszenarien und sind in der Lage, auch bei neuen Herausforderungen zu bestehen. Dies bedeutet, dass solche Entscheidungen oft durchdacht, gut informiert und breit abgestützt sind, sodass sie nicht bei der ersten Schwierigkeit scheitern oder gekippt werden.

Die Kombination – Entscheidresilienz-Kausalitätsmatrix

Entscheidresilienz-Kausalitätsmatrix

Kombinieren wir nun beide Achsen, wird es spannend. Grundsätzlich könnte man beschliessen, dass man ultimativ effektive Entscheide möchte, die jeder Widrigkeit trotzen. Doch die Sache hat einen Haken: Einstimmiges Commitment ist, je grösser die Organisation und je komplexer die Herausforderung, enorm ressourcenaufwendig. In jeglicher Hinsicht. Zeitlich, Finanziell, und, manche haben es auch schon festgestellt, nervlich für die Teilnehmenden. Das Einstimmige Commitment muss seiner Investition also gerecht werden und in dem Sinne profitabel sein. Wo lohnt es sich? Dies muss jede Organisation für sich entscheiden, wir haben unten eine Option beschrieben.

Die wohl «balancierteste» Methode ist hier der Konsententscheid. Genügend resilient, um eine Vielzahl von komplexen Entscheiden über einen guten Zeitraum zu tragen, und relativ “kostengünstig” in der Anwendung.

Auszug verschiedener Entscheidungsmethoden kurz erklärt

1. Individual- und Rollentscheide: Der Experten-Ansatz

Hier geht’s um Entscheidungen, die eine Person allein trifft, oft aufgrund ihrer spezifischen Rolle oder Expertise. Super, wenn es schnell gehen muss und die Verantwortung klar definiert ist. Aber Vorsicht: Einseitigkeit und mangelnde Perspektivenvielfalt können Fallstricke sein. Dieser Ansatz eignet sich besonders gut für simple bis komplizierte Entscheide (siehe dazu den Beitrag zu kompliziert vs. Komplex), also Entscheide in Problemräumen, die uns nicht überraschen. Gleichzeitig ist die Entscheidungsgeschwindigkeit relativ schnell bzw. wird nur von der entscheidenden Person und der Problemstellung beeinflusst.

2. Kollegiales Konsultativverfahren: Der Einzelentscheid mit Zusatzweite

Hierbei fliessen Meinungen und Perspektiven mehrerer Kollegen in einen Entscheidungsprozess ein, wobei die finale Entscheidung weiterhin individuell getroffen wird. Es wird Input und Rat abgeholt, entschieden wird selber. Das kollegiale Konsultativverfahren eignet sich sehr gut für die Zwischenräume zwischen den individuellen Rollenentscheiden und Team- bzw. Konsentmethoden. Ein gutes Beispiel aus dem Alltag ist, wenn das individuelle Materialanschaffungsbudget überschritten wird, jedoch nicht den Aufwand für einen Team- oder Konsententscheid rechtfertigt. Anstelle der 3’000 CHF, die in meiner Rollenkompetenz liegen, geht es um 4’500 CHF. Ab 7’000 könnte man einen Teamentscheid durchführen, da es einen spürbaren Einfluss auf das Teambudget hätte.

3. Teamentscheid mit Mehrheitsabstimmung: Die Demokratie in Aktion

Hier stimmt das Team ab und die Mehrheit gewinnt. Es ist schnell, effektiv und vermeidet endlose Diskussionen. Allerdings können Minderheitenmeinungen untergehen. Super für Entscheidungen, bei denen es nicht ums Eingemachte geht.

4. Konsententscheid: Schnelligkeit trifft auf Inklusion

Konsent mit T. Ähnlich wie Konsens, aber es geht darum, dass niemand ernsthafte Einwände hat, nicht dass alle 100% zustimmen. Es ist schneller als der volle Konsens und immer noch sehr inklusiv. Hier geht es zum entsprechenden Artikel dazu: Von Chaos zu Klarheit: Der Weg zu besseren Entscheidungen | LinkedIn

5. Systemische Widerstandsabfrage: Mit Kopf und Herz

Diese Methode berücksichtigt nicht nur logische Argumente, sondern auch Gefühle und Intuition. Teilnehmer äussern Bedenken auf einer Skala. Ideal, wenn emotionale Faktoren eine Rolle spielen und man überraschende Einsichten gewinnen möchte. Gleichzeitig lädt die Methode ein, gemeinsam kreative Lösungsansätze zu finden, die möglichst wenig Widerstand generieren. Für alle, die diese Methode noch nicht kennen eine klare Empfehlung. Gerne schreiben wir da mal auch hier mehr darüber. Eine meiner persönlichen Favoriten und oft in Grossgruppen im Einsatz.

6. Konsensentscheid: Alle für einen, einer für alle

Beim Konsens sucht das Team eine Lösung, mit der alle leben können. Es fördert Engagement und Akzeptanz, kann aber zeitaufwändig sein. Perfekt für Entscheidungen, bei denen das Teamgefühl wichtig ist.

7. Das Einstimmige Commitment, der Fels in der Brandung

Damit schaffen wir eine resiliente Entscheidung, die sich auch in stürmischen Zeiten halten kann. Sie ist meist mit einer grossen Investition zur Entscheidfindung verbunden. Einstimmiges Commitment kann dort angewendet werden, wo wirkliche Einigkeit, bei sehr zentralen, identitätsstiftenden Themen notwendig ist. Ein gutes Beispiel sind die Kernwerte einer Unternehmung. Wenn nicht alle mit den Kernwerten und den daraus resultierenden Handlungsprinzipien einstimmig einverstanden sind, kann es bei Schwierigkeiten oder unter schwierigen Bedingungen rasch zu unüberwindbaren Hindernissen kommen, die sogar den Fortbestand einer Unternehmung in Gefahr bringen können.

Fazit

Die Wahl der richtigen Entscheidungsmethode hängt stark von der Situation, der Dringlichkeit, der Komplexität des Themas, dem Kosten-Nutzen-Verhältnis und der Teamdynamik ab. Während Individual- und Rollenentscheidungen bei klaren Verantwortlichkeiten und schnellem Handlungsbedarf punkten, bringen kollegiale und teambasierte Methoden die Weisheit der Gruppe ins Spiel und sind über die Zeit oft robuster. Teamentscheide sind immer wieder eine gute Gelegenheit, die Teammitglieder besser kennenzulernen und sich ein Bild zu der Teammaturität zu verschaffen. Es liefert oft erste Hinweise zu der nächsten Intervention, um das Team noch erfolgreicher zu machen.

Welche Methode bevorzugt ihr in eurem Team oder Unternehmen? Welche Methoden gehen euch aus diesem Repertoire einfacher, welche schwieriger? Teilt eure Erfahrungen und Gedanken in den Kommentaren!

Wir von eevo ag, Romeo Ruh, Stefan Iten, Reto B. Ruegger, Moreno della Picca und ich freuen uns über euer Feedback und eure Anregungen.